Ein Tuareg schrieb:
„Wenn Sie immer wieder sagen, ich habe keine Zeit, werden Sie nie Zeit haben. Die Zeit ist wie ein Fluss. Sie können nicht zweimal das gleiche Wasser berühren, weil das verflossene Wasser nicht zurückkehrt. Nutzen Sie jeden Augenblick dieses Lebens; finden Sie Zeit zum Leben.“
Lebenszeit
In der uns bekannten Menschheitsgeschichte war die durchschnittliche Lebenserwartung noch nie so hoch wie in unserer Generation, noch nie konnten so viele Menschen in so kurzer Lebensarbeitszeit ihre Grundbedürfnisse decken, und noch nie war das Freizeitangebot so gross wie heute. Selbst diese Beschäftigungen benötigen weniger Zeit als früher (Beispiele sind fliegen statt reiten, fernsehen statt reisen, Skilifte statt Felle usw.). Facebook, YouTube, TV-Spots, Wikipedia, Fernsehen etc. erlauben, uns in immer kürzerer Zeit mit Themen aus der ganzen Welt zu beschäftigen. Was Schrecken auslöst, wissen innert Stunden ein bis zwei Milliarden Menschen. Anschaulichkeit, Ruhe, Meditation, Gebet, Freude, Gesundheit usw. sind nicht in vergleichbarer Weise zu vermitteln. Das beeinflusst die Art und Weise, wie wir das Essentielle im Leben suchen und werten.
Mehr verfügbare Zeit und mehr Wahlmöglichkeiten ergeben die Chance, sich mit den alten Lebensfragen auseinanderzusetzen: Warum sind wir auf dieser Welt? Gibt es einen Sinn dafür? Sind wir bereit, nach diesem Sinn zu suchen und damit die Verantwortung für unser Tun zu übernehmen? Vergleichbar mit einem Manager könnte es unsere lebenslange Aufgabe sein, aus einem Überfluss an Informationen, das Entscheidende zu erkennen, um daraus überlegtes Handeln abzuleiten, das mit unseren Gefühlen und dem Herzen übereinstimmt. Weil wir nicht wissen, wann unsere Zeit abgelaufen ist, sind wir zwar frei, das Essentielle auf Morgen zu verschieben, aber wie der zitierte Tuareg lehrt, können wir das Verlorene nicht zurückholen. – Wir versuchen hier, Sie anzuregen, sich mit solchen Lebensfragen selbstverantwortlich auseinanderzusetzen. Wir unterstützen Sie in der Bewusstseinserweiterung, geben aber keinen bestimmten Weg vor.
Ein Erlebnis
Einer der Autoren dieses Textes berichtet: „In einer Gruppe von 25 Personen aus mehreren westlichen Ländern nahm ich an einer Kulturreise in ein christlich-orthodoxes Land teil. Was mich beeindruckte, waren nicht nur die grossen Vermögensunterschiede der Bevölkerung, die vielen modernen Autos, die Korruption und die grossartigen Sehenswürdigkeiten sondern die Interessen und die Gespräche innerhalb der Gruppe. Zentrale Themen waren die ausgewogene und ökologische Ernährung, die eigene psychologische Entfaltung, die geistige Zukunft unserer Kultur, wenn Religionen in reichen Ländern ihre zentrale Funktion verlieren und Politiker mehr an ihre Wiederwahl denken als an das Wohlergehen kommender Generationen. Viele Gesprächspartner in der Gruppe entfernen sich von den religiösen Institutionen. Sie formen ihr eigenes Weltbild, nach dem sie bewusst zu leben versuchen. Sie fühlen sich verantwortlich für ein grösseres Ganzes und harmonisieren ihre Interessen, Werte, Ziele und Verhaltensweisen.“ – Dieses Erlebnis erinnert an die Studie und das Buch „The Cultural Creatives – How 50 Million People Are Changing the World“ von Paul H. Ray und Sherry R. Anderson.
Die Kulturkreativen (The Cultural Creatives)
Während 13 Jahren haben Ray und Anderson Studien ausgewertet, die über 100‘000 Befragte betrafen; sie haben hunderte von Gruppen befragt und gegen 60 Tiefeninterviews ausgewertet. Sie kamen zum Schlusse, dass 26% der erwachsenen US-Amerikaner neue Sichtweisen zum Weltbild, zum Lebensstil und was ihnen wichtig ist, entwickelt haben. Damit haben sie einen Kulturwandel vollzogen.
Als Kriterium galten die hier verkürzt wiedergegebenen Themen eines Fragebogens:
Liebe zur Natur
Bewusstsein über die Probleme unseres Planeten und das Bedürfnis, die Ressourcen nachhaltig zu nutzen
Bereitschaft, höhere Preise zu bezahlen, wenn damit die Umwelt mehr geschont und die Erderwärmung vermindert würden
Dem sozialen Beziehungsnetz grosse Bedeutung beimessen
Bedürfnis, Notleidenden zu helfen und Begabungen anderer zu wecken
Freiwilligenarbeit
Bereitschaft zur psychologischen und spirituellen Entwicklung
Der Religion oder der Spiritualität im Leben und in der Politik Bedeutung beimessen
Gleichberechtigung und Berücksichtigen von Minderheiten in Führungspositionen
Stellungnahme gegen Gewalt und Missbrauch von Frauen und Kindern
Staatsausgaben sollten mehr auf die Schulung von Kindern, die Gemeindeeinrichtungen und eine ökologische Zukunft ausgerichtet sein
Suchen einer neuen Politik, die nicht nach links oder rechts ausgerichtet ist
Optimismus statt dem zynischen Pessimismus der Medien
Beitrag zu einem besseren Leben in unserem Lande
Sich bewusst werden, wo Grossunternehmen aus Profitgier der Umwelt schaden oder arme Länder ausnützen
Die eigenen Finanzen im Griff halten, ohne sich zu verschulden
Ablehnung von Exzessen mit Luxuswaren und Eindruck schinden
Sich für andere Kulturen interessieren
Die Autoren zählen jene zu den Kulturkreativen die wenigstens zu 10 der obigen Punkte ja sagen. Wenn auch verschiedene Formulierungen nicht frei von Vorurteilen sind oder sich besonders auf die USA ausrichten, so zeigen sie doch Themenkreise mit zunehmender Bedeutung. Eine vergleichbare Studie des Stanford Research Institute hatte aufgezeigt, dass das Interesse um 1980 geringer war.
Alltag
Viele Menschen suchen Anregung, Spannung, Entspannung im Fernsehen und in der Literatur. Sie konsumieren. Das hier Vermittelte möchte als Ansporn dienen zur intensiveren Gestaltung des eigenen Lebens. Aus einer subjektiven Empfindung von Mangel an Zeit, Vitalität und Know How wird dieser zweite Schritt oft unterlassen.
Was zählt im Leben wirklich? Politiker in Singapur meinen dazu, dass viele junge Menschen nur die fünf Cs Cash, Credit Card, Car, Condominium (Eigentumswohnung) und Country Club anstreben. Ein Senior-Minister befürwortet eine andere Interpretation: Career, Children, Comfort, Consideration und Charity (Karriere, Kinder, Komfort, Rücksichtnahme und Wohltätigkeit, NZZ, 20.8.2010, S.2). Auch in westlichen Ländern stehen wir vor einer ähnlichen Wahl, allenfalls unter Einbezug andersgearteter Werte. Eine lebensbestimmende Zielsetzung erfordert eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Diese stellen wir hiermit zur Diskussion.
Wir leben in hochzivilisierten Gesellschaften, die uns Sicherheiten verschaffen, Risiken tarnen (Arbeitsplatz, Altersvorsorge) und auch bei einem verantwortungslosen Lebensstil eine hochmoderne Medizin auf Kosten der Allgemeinheit als Rettung versprechen. – Einem neutralen Beobachter mag dabei auffallen, dass die Angebote für die Stimulationen des Konsums und die Rettung in Notfällen weitaus höhere Priorität geniessen als die Frage nach dem Sinn.
Ein befreiender Weg bestünde im individuellen Anpeilen einer ganzheitlichen [[Ganzheitlichkeit]] Vision, eines Ideals, der Sinnverwirklichung. Dies ist nicht nur lustvoll, sondern wertet das Altern auf, verstärkt das soziale Netz und erhöht die Lebenserwartung um viele fruchtbare Jahre.
An der Yale Universität haben Forscher aufzeigen können, dass die Einstellung zum Altern sich Jahrzehnte vor der Pensionierung bildet. Menschen mit einer positiven Selbstwahrnehmung im Alter, die ihr Sein aktiv gestalteten, lebten 7.6 Jahre länger als die Passiven. Dieser Einfluss war grösser als sonst bekannte Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Mangel an Bewegung, hoher Blutdruck und ungünstige Cholesterinwerte, sofern sie nicht kombiniert auftraten (Study, 2002).
Laut der Studie einer Stiftung von Prince Charles halten 10% der befragten britischen Jugendlichen das Leben für sinnlos. Mehr als ein Viertel gab- an, sich depressiver und unglücklicher zu fühlen als in ihren jüngeren Jahren (dpa 5.1.09). Vielleicht wäre für diese Menschen Jean-Paul Sartres Rezept eine Hilfe? Er schrieb: „Es kommt darauf an, was du aus dem machst, was man aus dir gemacht hat.“
Eine Wegskizze
Jeder Mensch hat seine eigenen Erfahrungen und Vorurteile, Fähigkeiten und Potentiale, Gelüste und Ängste. Kein Leben gleicht dem anderen. Wenn wir im Angestammten stecken bleiben, lassen wir unsere Potentiale verkümmern. Dafür wird sich am Ende niemand bei uns bedanken. – Die uns zur Verfügung stehende Zeit ist begrenzt. In jeder Minute entscheiden wir, ob wir sie konstruktiv nutzen, oder ob wir nur beobachten, allenfalls uns dem Leid hingeben, uns beklagen, über andere urteilen und emotional im Sumpf stecken bleiben.
Die Chance, unsere Einmaligkeit zum Blühen zu bringen, kann nur von uns genutzt werden. Franz Kafka hat dies in seiner Kurzgeschichte ‚Vor dem Gesetz‘ literarisch umgesetzt: Ein Mann vom Lande bittet Eintritt durch eine Türe. Der Türhüter sagt, dass er ihm den Eintritt jetzt nicht gewähren könne. Wie der Mann nach vielen Versuchen alt und gebrechlich wird, geht er der Sache auf den Grund und vernimmt vom Türhüter: „Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schliesse ihn“ (Kafka, 1988). – Die Autoren vergleichen das Verhalten des Mannes vom Lande mit der Angst, Vorurteile zu überwinden, Chancen wahrzunehmen und das Leben grundlegend auf Neues auszurichten, selbst wenn damit Risiken verbunden sind.
Mit dieser Plattform wollen wir die Leserschaft ermutigen, ihren ‚Eingang‘ zu nutzen.
Wir schlagen daher einen Weg vor, wie die Themen der Schlüsselwörter in einer nachvollziehbaren Reihenfolge angegangen werden können. Sie stellen einen Einstieg dar, der mit den angebotenen Wortpaaren erweitert werden kann. – Eine echte Auseinandersetzung mit diesen Themen erfordert Zeit. Dies trifft besonders zu, wenn ein Ziel darin besteht, vermehrt aus dem Urvertrauen heraus zu denken und zu handeln, ohne vom Urteil Dritter abhängig zu sein. – Die Schlüsselwörter und die Begriffspaare sind so formuliert, dass ein Einstieg kreuz und quer gewährleistet ist. Die Themen sollten aber mit selbst gewählter Literatur und Diskussionen im Familien- und Freundeskreis vertieft werden. Dies ist hilfreich, weil wir keine Glaubensbekenntnisse anbieten. Im Gegenteil, wir ermuntern, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, um zu einer eigenen – vielleicht nur vorläufigen – Meinung zu gelangen.
Der Lohn für diesen Einsatz ist hoch: Bessere Gesundheit (im Sinne der Volksweisheit: Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts), angemessener Umgang mit Schicksalsschlägen, Ängsten und Süchten, höhere Lebenserwartung, stimulierenderes soziales Netz, Freude am Beruf, mehr Lebensqualität, Lust und Freude im Leben, Aussöhnung mit dem Sterben.
Gibt es ein Leben nach dem Tod?
In der materiellen Welt steigt die Rentabilität einer Investition (Auto, Wohnung) mit der Nutzungsdauer. Ähnlich verhält es sich mit Lebensinhalten. Mit Sicherheit verlieren wir alle materiellen Güter mit dem Tode. Bei den geistigen Werten können wir wählen, ob wir uns auf ein endgültiges Ende beim Tod ausrichten oder ob wir der Wahrscheinlichkeit eines nachtodlichen Lebens Raum geben wollen. Im ersten Falle sind auch alle geistigen Werte mit dem Tod auf null abzuschreiben. Im zweiten Falle mag sich die ‚Nutzungsdauer‘ verlängern, sei dies auf alle Ewigkeit in einem Himmel (einer Hölle) oder als [[Karma]] in späteren Leben. Diese grundsätzlichen Sichtweisen dürften die Lebensvision entscheidend beeinflussen. Wer unserer ‚Wegskizze‘ folgen will, wird hiermit ermuntert, sich prioritär mit den Themen Herkunft [[Reinkarnation]], [[Schuld]] und Sühne, Himmel und Hölle, [[Reinkarnation]] etc. auseinanderzusetzen und wenigstens auf provisorischer Basis zu entscheiden, für welchen Glauben (es gibt keine Gewissheit) man bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Trotz der Ungewissheit beeinflusst der Glaube unsere Entscheide. Das gilt auch für Atheisten und solche, die ein nachtodliches Leben ablehnen.
Sinnerfüllung
Auf Grund Ihres Glaubens mögen sich unterschiedliche Lebensziele ergeben. Es lohnt sich daher, sie schon anfänglich schriftlich festzuhalten, selbst wenn die Bedeutung noch provisorisch ist. Damit wird Ihr diesbezüglicher Werdegang später besser erkennbar.
Wer meint, dass der leibliche Tod auch das geistige Ende darstellt, mag eher einer hedonistischen Lebensweise folgen. Religiöse Menschen finden die Quellen zur Lebensgestaltung im gelernten Glauben, spirituelle in der Entwicklung ihrer Intuition und Spiritualität.
Integrität
Schon die ersten beiden Fragen nach der Möglichkeit eines Lebens nach dem Tode und nach unserer Vision und Sinnerfüllung setzen voraus, dass wir auch uns gegenüber ehrlich sind, uns nichts vormachen und keine Ideale formulieren, die ausserhalb unserer Möglichkeiten liegen. Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um das Entfalten von (allenfalls versteckten) Fähigkeiten.
Nur wenige Menschen betrachten sich a priori als unehrlich. Die meisten setzen ihre Ehrlichkeit auch als Standard für andere. Sie wissen, dass sie ein gefundenes Portemonnaie im Fundbüro abgeben oder ein Zuviel an Herausgeld beim Einkaufen zurückgeben. – Viele im persönlichen Verkehr scheinbar Ehrliche scheuen sich aber nicht, beim Steueramt, bei Versicherungen zu schummeln oder Fehlleistungen zu vertuschen.
Noch schwieriger wird’s bei sogenannten Lebenslügen: vertuschte Vaterschaft, intime Nebenbeziehung usw. Es mag sich lohnen, Dritte zu fragen, wie sie unsere Ehrlichkeit einschätzen, vorausgesetzt, dass eine wirklich integre Antwort erwartet werden darf.
Wer in seinem Verhalten Unstimmigkeiten entdeckt, mag seine Emotionen überprüfen. Menschen erleben ihre Kindheit sehr subjektiv. Die Wahrheit der Eltern wird zur eigenen – allenfalls zu deren Gegenteil. Erinnerungen über Gutes und Schlechtes verbleiben in unserem Gedächtnis oft in überzeichneter Weise. Diese Prägungen beeinflussen die Erziehung der eigenen Kinder, das Verhalten gegenüber dem Lebenspartner, oft auch die Lebensweise bis ins hohe Alter. Unehrlichkeit, Ungeduld, Wutausbrüche, Anklagen, Verurteilungen anderer usw. finden ihren Ursprung in den Emotionen. Sie können aufgearbeitet werden, was unsere Abhängigkeit vermindert und echte Freiheit schafft.
Emotion
Unter Emotionen verstehen wir Gefühle, die durch schwerwiegende frühere Erlebnisse, Indoktrinationen oder angeborene Eigenschaften unsere Wahrnehmung und damit das Denken und Wollen beeinflussen. Wir handeln oder unterlassen dann Handlungen aufgrund früherer Erfahrungen und nicht der gegenwärtigen Situation. Emotionen sind mit Vorurteilen vergleichbar und werden oft als Ängste manifest.
Je mehr wir uns der Emotionen bewusst werden oder sie gar therapeutisch aufarbeiten, desto weniger halten sie uns gefangen. Es fällt uns leichter, die Welt so wahrzunehmen, wie sie ist, unsere Potentiale zu entwickeln und unser Leben sinnvoll zu gestalten. Wir vertrauen zunehmend auf unsere innere Stimme und wagen es, unseren ureigenen Lebensweg zu gestalten. Die damit verbundene Bewusstseinserweiterung erleichtert den Kontakt mit anderen Menschen auf der Herzensebene und sie lässt spüren, wie wir uns konstruktiv in die Gesellschaft einbringen können. Viele Gesetze und Regelungen wären damit vermeidbar. Die innere Stimme würde uns leiten und uns spüren lassen, wo andere unserer Hilfe bedürfen und wo wir damit schaden, weil wir die Eigeninitiative blockieren.
Bewusstseinserweiterung
Bewusstseinserweiterung erlaubt, unser Leben ganzheitlicher, von einer höheren Warte aus zu betrachten und unser Handeln harmonischer zu gestalten. Die Egozentrizität nimmt ab und unsere Verbindung zur Mitwelt intensiviert sich. Das bewusstere Denken und Handeln führt zu einer Vertiefung von Erfahrungen auf Kosten eines schnelllebigen Konsums.
Vielleicht entstehen neue Interessen: der Kosmos, der Mikrokosmos, die Welt als Biotop, feinstoffliche Energien, Schicksale (das eigene und fremde), das Phänomen Zeit, Zufälle, Geschichte, zukünftige Entwicklungen, paranormale Erscheinungen, Psychologie, Philosophie und allenfalls Spiritualität etc. Dankbarkeit, Empathie, Versöhnlichkeit, Selbstverantwortung, Glückseligkeit werden intensiver erlebt und ins Weltbild integriert. Die Beziehungen zwischen Risiko, Verantwortung und Lebensmut, zwischen Zeugen/Empfangen, Leben und Tod sowie zwischen Chaos, Ordnung und Entwicklung werden vertieft. Schwächen werden erkannt, vielleicht gar überwunden und als Potentiale verwirklicht. Im Sinne John F. Kennedys hat der persönliche Beitrag an die Gesellschaft Vorrang und nicht die Erwartung an sie.
Wie oft denken Sie, ohne etwas Bestimmtes zu denken? Gedanken schweifen dann herum, ohne Ergebnisse zu erzielen. Die Bewusstseinserweiterung trägt bei, vermehrt das zu denken, was man denken will. Vielleicht entsteht auch der Wunsch und mit der Zeit die Fähigkeit, den inneren Bildschirm zu leeren und nichts zu denken, sich völlig mit dem Sein zu verbinden Transzendenz. Wenn das Denken sinngebend eingesetzt wird, entsteht ein ganzheitlicheres Handeln, was wiederum zu einer Neuorientierung des Träumens Traum, des Fühlens Gefühl und des Intuierens Intuition führt. Die Beziehung zur inneren Stimme innere Stimme wird vertrauensvoller und sinnerfüllender.
Evolution
Wissenschaftliche Forschungen deuten darauf hin, dass sich unser Planet aus einer Wasser- und Landöde zu einer reichen, wunderbaren natürlichen Vielfalt entwickelt hat und sich wohl weiter entwickeln dürfte. Naturkatastrophen haben diese Entfaltung in neue Bahnen gelenkt. Deren Kraft war aber letztlich immer stärker. Wenn wir Menschen – Spätkommer in der Erdgeschichte – uns in diese langfristige Entwicklung einbringen, können wir an ihr teilhaben. Mit Gier, Rücksichtslosigkeit und unbeschränktem Wachstum werden wir sie behindern. Heute schon ist es wenigen Menschen möglich, mit ein paar Handgriffen fast alles Leben auszulöschen.
Ob das Eine geschieht oder das Andere hängt insofern von jedem Individuum ab, als es – wenn auch in geringem Masse – zum Zeitgeist und damit zum allgemeinen Verhalten beiträgt. Jeder Einzelne wirkt auf seine Umgebung und in den Demokratien widerspiegeln die Gewählten den Zeitgeist der Gesellschaft. – Diesen geringen, in der Summe aller Beteiligten aber bedeutenden Einfluss erleben wir am Beispiel unseres Körpers, wo relativ wenige Zellen eine Krankheit auslösen können. Der Anteil eines Menschen an der Weltbevölkerung entspricht ungefähr 10‘000 Zellen in seinem Körper, ein Vielfaches seit unserer Zeugung. Dieser Vergleich deutet auf die Wahrscheinlichkeit hin, dass wir als Individuen vielleicht doch bedeutsamer sind, als wir gemeinhin annehmen.
Leiden oder Lust und Freude
Wer sich in die vorgeschlagenen Themen eingearbeitet und sie in seine Lebensvision integriert, wird wohl auch die Frage beantworten, ob das eigene Leben leid- oder freudorientiert ist. Viele Menschen leiden trotz günstiger Umstände und in vielen Ethnien fügen sie sich gar absichtlich Leid zu. Wohl noch nie hatten so viele Menschen Grund zu lustvoller Freude wie heute. Sie leben im Wohlstand mit guter Schulung und frei verfügbaren Informationen. Ihre Freiheit wird mehr durch Ängste und dem Mangel an Selbstverantwortung eingeschränkt als durch politische Grenzen.
Rückkoppelung
Wir schlagen nun vor, auf das am Anfang erwähnte Thema der Sinnerfüllung zurückzukommen und den dazu schriftlich formulierten provisorischen Text zu überprüfen. Wie soll er neu verfasst werden, falls er nicht mehr zutrifft? Die Erfahrung zeigt, dass die [[Individuation]] eines Menschen normalerweise spiralförmig verläuft. Die Erkenntnisse, die im Verlaufe einer bestimmten Zeit gewonnen werden, dienen dann als Grundlage für eine neue Runde. Das Älterwerden, die veränderten Umstände in der Familie, im Beruf, im sozialen Umfeld, das emotionsbewusstere Denken und Handeln, die Beziehungen zur Mitwelt haben sich seit dem Beginn der letzten Runde verändert. Neue Herausforderungen stehen an. Je mehr Menschen sich an dieser Entfaltung beteiligen desto leichter fällt es ihrer Umgebung, das Bewusstsein zu erweitern. Ab einem gewissen Punkt gewinnen alle mehr Gesundheit, Friede, Wohlstand und Lebenslust.
Literatur:
* Kafka, Franz: Das Urteil; Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main; 1469.-1493. Tausend, April 1988
* Ray, Paul H.; R. Anderson, Sherry: The Cultural Creatives – How 50 Million People Are Changing the World; ISBN 0-609-60467-8; Harmony Books; New York, 2000
* Study, 2000: Positive images of old age conducive to long life; Yale Bulletin and Calendar; August 30, 2002; Vol.31, No.1; www.yale.edu/opa/arc-ybc/v31.n1/story10.html
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